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Abschied von fünf Kollegen

Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt (v.l.n.r.): Uta Schmitz-Molkewehrum, OStD‘, Schulleiterin; Joachim Bartscher, OStR, Elisabeth Zöller, StD‘, Bernd Bleiker, StD, Regina Klose-Wittler, StR‘, Walter Schmalenstroer, StD, Kristiane Predatsch, StR‘, die zur Beamtin auf Lebenszeit ernannt wurde.

181 Jahre geballte Unterrichtserfahrung verlassen das Mariengymnasium

Bericht von Bernhard Drestomark

Eine deutliche Zäsur im Personalbestand am Mariengymnasium erfolgte mit der Verabschiedung fünf langjährig tätiger Kolleginnen und Kollegen zum Ende des Schuljahres. Die Schulleiterin, Frau Schmitz-Molkewehrum, OStD’, händigte die Urkunden, in denen die Landesregierung sich für treue Dienste bedankt und ihre Anerkennung ausspricht, an Studienrätin Regina Klose-Wittler, Studiendirektorin Elisabeth Zöller, Oberstudienrat Joachim Bartscher, Studiendirektor Karl-Bernd Bleiker und Studiendirektor Walter Schmalenstroer aus. 

Die Fachschaften Englisch und Geschichte hatten auf die profunden Kenntnisse Frau Klose-Wittlers in den von ihr unterrichteten Fächern hingewiesen, die sie in verschiedenen Jahrgangsstufen auch für die Gestaltung bilingualen Unterrichtes einsetzte und bereitwillig an Kolleginnen und Kollegen weitergab. Weil sie großes Einfühlungsvermögen in häusliche wie auch schulische Konflikte besaß, wurde ihr Rat als „Psychologin, Beichtmutter und Familienberaterin“ bei Schülerinnen und Schülern wie auch deren Eltern hoch geschätzt. „Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“ zitiert sie den argentinischen Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Louis Borges: leidenschaftlich gern liest sie Romane aller Art, insbesondere Krimis. „Schülerinnen und Schüler konnten sich gegen die ständigen Lesetipps nicht wehren.“, so ihre Kolleginnen und Kollegen beim Abschied.

Elisabeth Zoeller unterrichtete Mathematik und Sozialwissenschaften und stand acht Jahre lang als Oberstufenkoordinatorin insgesamt etwa tausend Schülerinnen und Schülern als kenntnisreiche und kompetente Ansprechpartnerin zur Seite bei allem, was die APO GOSt angeht, die Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Gymnasialen Oberstufe. Sie wurde von ihren Kolleginnen und Kollegen mit einem Rap-artigen Sprechgesang in den Eliteclub der Pythagoräer aufgenommen. „Quadrieren, addieren, dann Wurzel zieh’n. Und das Ergebnis dieser Müh’n, ihr lieben Leute, ist des Dreiecks dritte Seite.“

Als ebenso korrekt wie attraktiv in der Kleidung wie auch im Verhalten bezeichneten die Fachschaften Erdkunde, Englisch und Latein ihren Kollegen Bernd Bleiker; polyglott orientiert, in römisch-antiker Kultur fest verankert, deren Überlieferung er im Unterricht wie auch vor Ort, z. B. in Trier und Rom, gern weitergab. Als Fachberater Englisch war er auf Ebene der Bezirksregierung tätig und betreute verantwortlich den Bundeswettbewerb Fremdsprachen. Es gelang ihm auch am Mariengymnasium, zahlreiche Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme zu bewegen. Lohn der Arbeit war u. a. eine Gruppenfahrt nach London für den Landessieg in Englisch, ein vorderer Platz auf Landesebene in Italienisch und mehrere Einzelpreise in Englisch, Französisch und Latein.

Als frankophile Persönlichkeit erwies sich Joachim Bartscher (Französisch und Sozialwissenschaften) bei der Organisation von Vorträgen über das deutsch-französische Verhältnis in Kooperation mit der Volkshochschule, als Initiator von Studienaufenthalten der Jahrgangstufe 11 in den Zentren europäischer Entscheidungen in Brüssel und Straßburg, als Gourmet französischer Speisen und Weine, als Mensch, der die Vorzüge französischer Lebenskunst zu schätzen weiß. Mit ihm, so die Fachschaft Sozialwissenschaft, „geht auch ein Stück Schmidt, ein Stück Schröder, ein Stück Fischer, und zwar wegen ihrer politischen Attribute: vom ersten die Schnauze, vom nächsten die Gradlinigkeit, vom letzten die Eloquenz“.

Walter Schmalenstroer war neben dem Unterricht in den Fächern katholische Religion, Philosophie und Biologie in der Drogen- und Suchtberatung im Kreis Warendorf als Pionier tätig. Über Jahre initiierte und begleitete er die Aktion „Be smart, don‘t start!“, mit der er erfolgreich zum Rückgang des Zigarettenkonsums in der Generation der Teenies beitrug. Walter Schmalenstroer koordinierte die Gesundheitserziehung auf Kreis- wie auch auf Bezirksregierungs- Ebene und verankerte das schulische Sozialisationsprogramm „Erwachsen werden“ in Kooperation mit dem Lions-Club als festen Bestandteil sozialer Erziehung des MGW. Kontakte zu Schulen in Schweden, Litauen, der Türkei wie auch Ungarn waren und sind Bausteine der – inzwischen rezertifizierten – Europaschule Mariengymnasium unter dem Logo „Comenius“, benannt nach dem tschechischen Philosophen und Pädagogen des 17. Jahrhunderts. Nach dem Motto „Omen est nomen“ sangen seine Kolleginnen und Kollegen das Schulmotto „Mein Gott, Walter“ zum Abschied.

„Wat den ein’n sin‘ Uhl, is den annern sin Nachtigall“: Schulleiterin Frau Schmitz-Molkewehrum betonte, dass die Pensionierung der Kolleginnen und Kollegen und in deren Folge die Neueinstellung junger Nachwuchskräfte dafür sorge, dass das Durchschnittsalter des Kollegiums von 44,8 auf 39,1 Jahre sinke. Eine erhebliche Verjüngungskur, vor allem aus Sicht der Schülerinnen und Schüler, wenn man bedenkt, dass die Kollegien von Mariengymnasium und Laurentianum im Jahre 2000 einen Karnevalswagen unter dem Motto gestalteten: „Ob MGW, ob LAU – bei uns sind alle grau.“ Da betrug das Durchschnittsalter 51 Jahre.

 

 

 

Acht Frauen

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© Joachim Holling

Kriminalkomödie von Robert Thomas

Acht Frauen sitzen in einem eingeschneiten Landhaus. Acht Frauen, ein Mord. Irgendjemand hat den Hausherrn getötet. Der einzige Mann weit und breit liegt mit einem Messer erstochen im Bett. Das Telefon funktioniert nicht. Die Kabel des Autos sind durchschnitten. Acht Frauen. Alle sind neugierig, vielleicht sogar boshaft. Vielleicht sogar Schicksalsgenossinnen. In ihren Augen dämmert es langsam, dass keine von ihnen ein Alibi hat. Jede von ihnen könnte es gewesen sein. Ob Ehefrau, ältere oder jüngere Tochter, ob Schwester, Schwiegermutter, Schwägerin, Köchin oder Dienstmädchen, jede wird Zeugin und Zuhörerin: Alles kommt zur Sprache, seitdem der Hausherr nicht mehr da ist. Und doch geht es in der Kriminalkomödie von Robert Thomas um mehr als nur um die Aufklärung eines Mordes. Denn Thomas zeichnet auf entlarvende Weise das Bild einer bürgerlichen Familie im Frankreich der 50er Jahre. Acht Frauen. Abgründe tun sich auf, wenn die Masken fallen.

Das Mariengymnasium hatte zu zwei Vorstellungen mit jeweils unterschiedlichen Darstellerinnen eingeladen. Die „ersten acht Frauen“ spielten am Donnerstag, den 16. Juni, die „zweiten acht Frauen“ am darauf folgenden Tag, Freitag, 17. Juni. Die künstlerische Leitung hatte Herr Holling.

Acht Verdächtige am Mariengymnasium

Rezension von Sarin Aschrafi

Es beginnt alles so beschaulich an einem französischen Ort im Frankreich der 50er Jahre: Suzanne (Clara Tyszka/Julia Pielemeier), die ältere Tochter von Gaby (Camilla da Silva/Rica Bruckmann) und dem Fabrikanten Marcel, kommt über die Weihnachtstage aus England zu Besuch, um ihre Familie auf dem Landsitz zu besuchen. So trifft sie auf ihre Schwester Catherine (Nina Kempkes/Carola Hamphoff), ihre Tante Augustine (Leia Esche) und ihre Großmutter, genannt Mamy (Moritz Höne/Lennart Kortenjann). Auch das Wiedersehen mit Madame Chanel (Ronja Thier/Franziska Baumhöfer), der langjährigen Hausangestellten ist groß. Lediglich ihr Vater Marcel lässt auf sich warten. Als das neue Hausmädchen Louise (Ilona Funk/Charlotte Hirnstein) ihn ermordet in seinem Zimmer findet, entfährt ihr vor Entsetzen ein gellender Schrei, der die weihnachtliche Idylle jäh entzwei reißt.

Wer ist der Mörder?

Catherine schließt geistesgegenwärtig das Zimmer des Ermordeten ab und will die Polizei rufen, doch das Telefonkabel wurde durchschnitten. Auch das Auto der Familie wurde mutwillig manipuliert und das Gittertor des Anwesens ist versperrt. Merkwürdigerweise wurde jedoch die Schwester Marcels, Pierrette (Theresa Matz/Jana Tenbrock), noch am frühen Morgen mit der Nachricht vom Tod ihres Bruders konfrontiert und erscheint kurze Zeit nach der Entdeckung des Toten im Haus.
Schnell ist den Frauen klar: Der Mörder ist noch unter ihnen, womöglich ist es sogar eine von ihnen selbst, denn hätten nicht die Hunde gebellt, wenn ein Fremder ins Haus einzudringen versucht hätte? Diesen Mörder – oder doch diese Mörderin? – gilt es zu finden.

Ein Katz-und-Maus-Spiel

In den folgenden Stunden vollzieht sich unter den Frauen, die unter einer scheinbar heilen Oberfläche alle ein besonderes Verhältnis zu Marcel hatten, ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem jede verdächtigt und zugleich unter Verdacht gerät. Unangenehme Geheimnisse wie die Spielsucht von Madame Chanel und Pierrette, die unerwiderte Liebe Augustines zu Marcel und die Affäre seiner Ehefrau Gaby, weswegen sie ihn verlassen wollte, werden gnadenlos vor den Anderen ans Licht gebracht. Auch Louise, die eine Affäre mit dem Hausherr selbst hatte und die vermeintlich tadellose Tochter Suzanne, die ein uneheliches Kind erwartet, bleiben von den Verdächtigungen nicht verschont. Und warum sollte nicht auch Mamy ein Motiv haben, wo sie doch mit aller Gewalt ihre Aktien vor den Anderen versteckt?

Die schauspielernden Schülerinnen und Schüler stellen durch eine grandios einstudierte Inszenierung aus Blicken, Gesten und pointiert dargebrachten Dialogen ein Beziehungsgeflecht dar, dessen unterschwellige Feindseligkeit immer mehr an die Oberfläche drängt. Requisiten wie der Schlüssel zum Zimmer des Toten, ein Liebesbrief an Marcel oder der plötzlich wiedergefundene Revolver treiben die Animositäten der Frauen an die Grenze der Eskalation und so kommt es schließlich sogar zu tätlichen Angriffen. Seinen Höhepunkt erreicht das Stück, als auf Madame Chanel durch das Fenster geschossen wird – und das kurz nachdem sie behauptet hat, sie wisse nun um den letzten entsetzlichen Beweis für das Geschehen. Die eine letzte Wahrheit, die die unverdächtig gebliebene Catherine schließlich den Anderen überbringt, ist aber dann diese, die tatsächlich einen Mord nach sich zieht.

 

König Ödipus

Rezension von Bernhard Drestomark

„König Ödipus“ von 17-jährigen auf die Bühne gebracht? Sind sie nicht selbst noch mit den Nachwehen des Komplexes beschäftigt, den Sigmund Freud in Anlehnung an die Tragödie des Sophokles als einen Kern des Konfliktes zwischen den Generationen und den Geschlechtern ausmachte? Der Literaturkurs des Mariengymnasiums Warendorf unter Leitung von Joachim Holling zeigte in erfrischender Weise, dass eine moderne Fassung – die des Kabarettisten Bodo Wartke – mit viel Schwung, auch mit einem Schuss an Verfremdung und Ironie, das Publikum des 21. Jahrhunderts mit dem tragischen Stoff des Sophokles aus dem Jahr 425 v. Chr. erreicht.

Ödipus der Vatermörder

Die Aufführung hinterlässt einen starken Eindruck: König Ödipus, in seinen Zweifeln wie auch in seinem Machtbewusstsein überzeugend von Sören Sarbeck verkörpert, vernichtet sein Augenlicht am Ende der Suche nach der Wahrheit über seine eigene Herkunft und das verdrängte Geschehen des Vatermordes. Frederike Schäpers, als Sphinx im „Cats“–Outfit, bringt die Tragödie in Schwung: Sie stellt Ödipus die Frage nach dem, was am Morgen auf Vier, mittags auf Zwei, abends auf Dreien läuft. Jafar Abdurrahmaan verleiht Laios, dem Vater des Ödipus, eine würdevoll-royale Note. Thomas Gausepohl als sein Schwager Kreon präsentiert zackig-martialisch den Adjutanten der Macht, der das Wohl des Volkes mit dem des Herrschers so lange identifiziert, bis das Orakel auch Neigungen zum Komplott freisetzt. In diesem Anliegen wird er vom Priester, gespielt von Moritz Wenning, salbungsvoll-poetisch unterstützt. Das Publikum klatscht begeistert, als Kreon und Ödipus sich im Hip-Hop-Rhythmus dissen.

Der Preis der Wahrheit

Hirten bringen die Quellen des Unheils schließlich ans Licht: Der aus Theben, gespielt von Tjark Jansen, dessen Auftrag es war, Ödipus zu töten, und der aus Korinth – Julian Kröger katapultiert sich, Parcours-gestählt, auf die Bühne –, der den jungen Ödipus mit durchstochenen Fersen übernahm und aufzog. Als Ödipus erfährt, dass er mit seiner Mutter Iokaste – sie war ihm als Belohnung dafür versprochen, dass er das Geheimnis der Sphinx löste – die Töchter Ismene und Antigone gezeugt hat, legt er Hand an sich und wird mit zerstochenen Augen dem blinden Seher Teiresias gleich. Maria Höne verleiht dem Seher einen dämonisch-rationalen Touch: Er warnt Ödipus eindringlich vor der Suche nach der Wahrheit. Marie Joachimsmeier als Iokaste, Carolin Brockhausen, Sophia Perdun und Dennis Reimann als Orakel, schaffen eine zwiespältige Verbindung zwischen der Neugierde der Ratsuchenden und der Macht des Schicksals. Léandre Chavand bringt als Chor bzw. Sänger mit eigener Komposition Ordnung in das Geschehen: „Das ist das Blöde an der Tragödie, sie hat nie ’nen schönen Schluss“. Die Sprecherinnen, Pia Besselmann und Mareike Lewe, begleiten die Handlung im Sinne Brechtschen Verfremdungstheaters. Glänzend, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler, rasant zwischen Daktylus, Trochäus und iambischem Versmaß wechselnd, teils naiv, teils aber auch die Rollen ironisch kommentierend, den Zuschauern das Drama nahebringen. So lässt Nils Tertilt, inspiriert von den Finessen psychoanalytischer Heilkunst, die Behandlung des Ödipus in seiner Sprechstunde zwischen dem 5. Jahrhundert v.Chr. und Freudschen Persönlichkeitsvorstellungen oszillieren. Ein gelungener Jour Fixe-Abend im Theater am Wall.

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