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Ich sollte nicht leben

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Ein Überlebender des Holocaust berichtet

„Ich sollte nicht leben.“ Mit diesem Zitat aus seinem Buch „Durch die Hölle von AUSCHWITZ und DACHAU“ eröffnete der Holocaustüberlebende Leslie Schwartz seine Ausführungen vor den Schülerinnen und Schülern des Mariengymnasiums Warendorf, um anschließend hinzuzufügen: „Aber ich wurde dreimal gerettet.“ Und er ergänzte: „Ich war in eurem Alter, als ich im KZ war.“

Wie schon am Tag zuvor im Berufskolleg Warendorf und davor in der VHS erzählte er den über 120 gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern der EF (Einführungsphase der Oberstufe) von seiner glücklichen Kindheit in einer ländlichen Gegend Ungarns, der Deportation seiner Familie mit den anderen Juden des Ortes zunächst in das Ghetto von Kisvarda und dann weiter nach Auschwitz/Birkenau.

Rettung vor der Gaskammer

Sehr persönlich erzählte er von seiner Rettung vor der Gaskammer und dem Tötungsarzt Mengele, indem er sich intuitiv als 17-Jähriger ausgab und deshalb als Zwangsarbeiter in das KZ Dachau transportiert wurde. „Jeden Tag Zementsäcke schleppen – das spüre ich heute noch.“

Das Gespräch mit Leslie Schwartz führte Matthias M. Ester vom Geschichtskontor Münster, der viele Hintergrundinformationen beisteuerte und mit Karten und Fotos Schwartz’ „Odyssee quer durch Europa“ veranschaulichte. So wurde für die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie Leslie Schwartz, auf 34 kg abgemagert, mit anderen KZ-Insassen von seinen SS-Bewachern in einen Todeszug nach Westen gesetzt wurde, um die Verbrechen der Nazis zu verschleiern. Auch diese Aktion überlebte er trotz Kopfschuss und anschließender Erkrankung an Typhus. Doch neben der Grausamkeit und Unmenschlichkeit hat er auch echte Freundschaft und spontane Hilfsbereitschaft erlebt, so von einer Bäuerin in Bayern, die ihn mit Brot und Milch versorgte – zu der er bis zu ihrem Tode Kontakt hatte. Die Schülerinnen und Schüler hörten betroffen zu und stellten am Schluss interessierte Fragen, z. B. wie er erfahren habe, dass und wie seine Mutter und Schwester umgekommen sind oder wie er nach seiner Befreiung von den Deutschen aufgenommen wurde. Seine Betroffenheit darüber, damals vielen Menschen begegnet zu sein, die allein Hitler für die Verbrechen der Nazizeit verantwortlich gemacht hätten, ist noch heute spürbar.

Love is stronger than hate

Als Berichterstatter hat Leslie Schwartz, der heute teilweise in Münster und teilweise in New York lebt, eine neue Mission gefunden. 104 Mal schon hat er an deutschen Schulen über seinen persönlichen Holocaust gesprochen.
Als sich eine Schülerin nach dem Grund dafür erkundigte, warum er vor Schülern spreche, erklärte er, er sei „der dreckige Jude, der Schweinejude“ gewesen und habe heute durch das Erinnern seine Identität wieder bekommen: „I’m a person again!“ Und er appellierte an ein menschliches Miteinander und setzte sich für Toleranz ein. „We are all children of God: Jews, Muslims and Christians.“ Mit seinem Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz traf er den Nerv der Schülerinnen und Schüler, die ihn nach der Veranstaltung umringten, um sich persönlich bei ihm zu bedanken, ihm weitere Fragen zu stellen, in sein fast volles Erinnerungsbuch zu schreiben oder in seinem Buch zu blättern.

Als Widmung gab er ihnen in einem Buch für die Schülerbücherei mit auf den Weg: „Love is stronger than hate. Shalom“.

  • Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau (Leseprobe)

 
Die Veranstaltung ist durch den Förderverein unserer Schule bezuschusst worden.

 

 

Wie werde ich Autor?

Bericht von Adrian Grimpe

Ein eigenes Buch zu schreiben, ist der Traum vieler Menschen. Am Dienstag, den 16.06.2015, erläuterte der Autor Erasmus Herold den Schülern der 9. Klassen bei spannender Atmosphäre das Vorgehen beim Schreiben eines Krimis. Die Schüler hatten kurz davor im Rahmen eines Unterrichtsprojekts, welches an unserer Schule alljährlich in den Deutschkursen der 9. Klassen durchgeführt wird, sich selber bereits mit Kriminalromanen beschäftigt, sodass die Lesung nun thematisch daran anschloss.

Der 46-jährige Autor hat im Vorjahr den Krimi „Und ich richte ohne Reue“ (s. Video) veröffentlicht. Das Buch handelt von zwei Kommissaren, die versuchen, den Täter eines Baustellenmordes ausfindig zu machen. Um den Schülern einen Einblick in die Form und den Inhalt des Buches zu gewähren, las er einige Kapitel daraus vor. Darüber hinaus erklärte Herold die wesentlichen Merkmale eines Kriminalromans und thematisierte danach besonders die Entstehung der Geschichte sowie der einzelnen Hauptfiguren.

Der gelungene Einstieg

Erasmus Herold zeigte, was ihn zum Schreiben veranlasst, und erläuterte seine Vorgehensweise beim Verfassen eines Buches. In seinem Fall entstehen diesbezüglich aus einer Haupthandlung oft viele Nebenhandlungen, die voneinander unabhängig schließlich zusammengeführt werden. Insbesondere ging der Autor dabei auf den gelungenen Einstieg ein: Es sei vor allem wichtig, das Interesse des Lesers durch das Zurückhalten von Informationen, durch so genannte Cliffhanger direkt zu Beginn zu wecken. Am Beispiel seines eigenen Romans verdeutlichte er dies Verfahren, während Schüler und Lehrer gespannt den Ausführungen zuhörten. Neben dem spannenden Einstieg spielen, so Erasmus Herold, geschickt platzierte Stilmittel eine wesentliche Rolle, um den Leser zum eifrigen Weiterlesen zu animieren. Aber nicht nur Kreativität bezüglich der Stilmittel, sondern auch die Wirkung des gewählten Standorts bzw. Settings sei von großer Bedeutung, um dem Krimi seine erwünschte Wirkung zu verleihen. Der Autor besucht aus diesem Grund häufig die Orte, an denen seine Geschichten spielen, um sich ein Bild der jeweiligen Atmosphäre zu verschaffen und Inspiration zu gewinnen.

Das Leben eines Autors

Sobald das Buch nun fertiggestellt ist, gelte es, einen geeigneten Verlag zu finden. Nachdem er seinen Science-Fiction Roman „Kontenianer – Rendezvous am Bogen“ über den Projekte-Verlag Cornelius veröffentlicht hatte, entschied sich Herold für den CW-Niemeyer Buchverlag; dieser verhalf ihm dabei, seine Krimireihe an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Auswahl des zu dem Genre des Buchs passenden Verlags spielt also eine bedeutende Rolle.

Abschließend gewannen die Zuhörer einen Einblick in Herolds Privatleben. Derzeit lebt er im Oelder Stadtteil Stromberg und hat zwei Töchter. Auch stellte der Autor seine eigene Berufslaufbahn vor, da er hauptberuflich als IT-Leiter eines mittelständischen Unternehmens in Ostwestfalen-Lippe tätig ist. Nach der Lesung bot der Autor den Schülern dann die Möglichkeit, Fragen zu ihm und seinem Wirken zu stellen. Dabei erfuhren die Schüler unter anderem, dass Herold begeisterter Fred-Vargas-Leser ist und in Kürze sein neues Buch zu veröffentlichen plant. „Kann man von dem Beruf leben?“, war eine der vielen Fragen. Herold selbst empfiehlt das Schreiben als nebenberufliche Tätigkeit. Ganze zwei Stunden dauerte die sehr informative Veranstaltung. Auch die Lehrer waren am Schluss an Herolds neuem Werk interessiert. Als Dank für dessen Besuch erhielt Erasmus Herold nach der Lesung eine kleine Geldsumme, die von den Schülern zusammengetragen worden war.

Die Autorenlesung ist Teil der Leseförderung an unserer Schule.

 

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