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Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen – Stolpersteinverlegung in Warendorf

Bericht von Martin Höne und Lorenz Menkhoff

Am Donnerstag, den 15. Dezember 2016, fand sich eine Gruppe von ca. 50 Personen am ehemaligen Standort des Amtsgerichts Warendorf in der Molkenstraße ein, um der Opfer der NS-Verbrechen im Rahmen einer Stolpersteinverlegung zu gedenken. Dieser Ort war ganz bewusst gewählt, da dort am 21. Mai 1937 das Sondergericht Dortmund einen Schauprozess wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ gegen Max und Ida Jeremias als Zeugen Jehovas aus Warendorf führte. Dies war das erste Gedenken an nicht-jüdische Opfer des NS-Terrors in Warendorf. In einer szenischen Lesung stellten die Schülerinnen und Schüler zweier Geschichtskurse der Q2 des Mariengymnasiums unter der Leitung von Cordula Mense-Frerich diese Gerichtsverhandlung nach originalen Protokollen dar.
„Ich werde Zeuge Jehovas sein und das Wort Gottes verkünden“, bekräftigte Max Jeremias, dem Druck des Nazi-Richters trotzend, aus tiefer religiöser Überzeugung. Auch seine Frau Ida setzte sich während des Prozesses für ihre Glaubensüberzeugung ein, und viele der Zuschauer waren noch im Nachhinein beeindruckt von der Standhaftigkeit des Ehepaares Jeremias.

Die eigentliche Stolpersteinverlegung fand in der Oststraße statt, der letzten freiwilligen Wohnstätte der Familie. Auch an die Tochter Ruth, die an eine Pflegefamilie gegeben wurde, erinnert ein Stolperstein. Matthias Ester, Vorsitzender der Stolpersteininitiative, führte durch das Programm und klärte die Teilnehmer über die historischen Begebenheiten auf. Im Laufe des Vortrags zeigte er mehrere Fotos der betroffenen Familie Jeremias, die zu einem großen Teil von einer direkten Nachfahrin von Ruth Jeremias` Pflegefamilie, Gudrun Sennhenn, stammten.
Des Weiteren sprachen Bürgermeister Axel Linke und auch ein Vertreter der Zeugen Jehovas aus Warendorf, und sie betonten, wie wichtig es sei, Toleranz zu leben und durch Erinnerung an die Gräueltaten, eine Wiederholung zu verhindern.

Gunter Demnig, Gründer der Stolpersteininitiative, verlegte die drei Gedenksteine an der Oststraße 33. Es folgten weitere Gedenksteine in Warendorf für das Euthanasieopfer Juliane Samuel und ihre Mutter Berta (Gerichtsfuhlke 8) sowie den Dechanten August Wessing vor dem ehemaligen Pfarrhaus in Hoetmar.

Weitere Informationen:

Liste der in Warendorf verlegten Stolpersteine

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