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Menschen mit Botschaften

„Menschen mit Botschaften“
an unserer Schule

Im Rahmen dieses Projekts will die Schule vor allem den Schülerinnen und Schülern, aber auch interessierten Eltern und Kollegen zwei- bis dreimal im Jahr „Menschen mit Botschaften“ vorstellen, Zeitzeugen besonderer Ereignisse und Erlebnisse sowie Persönlichkeiten mit ungewöhnlichen Taten und Leistungen, Aufgaben oder Berufen, Ideen bzw. Lebensentwürfen.

Gerade die Schüler sollen dabei Einblicke in unbekannte Biographien erhalten oder sich mit Werten auseinandersetzen, die für ihre Generation längst nicht mehr selbstverständlich sind; sie sollen Anregungen für eigene Lebensperspektiven außerhalb der üblichen Lebenswege erhalten. Schule ist eben nicht ausschließlich das, was Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung schafft; Erfolge sind auch außerhalb des normierten Weges „Schule-Studium-Beruf“ zu erreichen. So leistet dieses Projekt nicht nur einen Beitrag zur Werteerziehung, sondern vor allem auch zur Förderung persönlicher und sozialer Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler; es stellt eine Form besonderer individueller Förderung junger Menschen dar.

„Menschen mit Botschaften“ –
z. B. Leslie Schwartz

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Ein Überlebender des Holocaust berichtet

„Ich sollte nicht leben.“ Mit diesem Zitat aus seinem Buch „Durch die Hölle von AUSCHWITZ und DACHAU“ eröffnete der Holocaustüberlebende Leslie Schwartz seine Ausführungen vor den Schülerinnen und Schülern des Mariengymnasiums Warendorf, um anschließend hinzuzufügen: „Aber ich wurde dreimal gerettet.“ Und er ergänzte: „Ich war in eurem Alter, als ich im KZ war.“

Wie schon am Tag zuvor im Berufskolleg Warendorf und davor in der VHS erzählte er den über 120 gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern der EF (Einführungsphase der Oberstufe) von seiner glücklichen Kindheit in einer ländlichen Gegend Ungarns, der Deportation seiner Familie mit den anderen Juden des Ortes zunächst in das Ghetto von Kisvarda und dann weiter nach Auschwitz/Birkenau.

Rettung vor der Gaskammer

Sehr persönlich erzählte er von seiner Rettung vor der Gaskammer und dem Tötungsarzt Mengele, indem er sich intuitiv als 17-Jähriger ausgab und deshalb als Zwangsarbeiter in das KZ Dachau transportiert wurde. „Jeden Tag Zementsäcke schleppen – das spüre ich heute noch.“

Das Gespräch mit Leslie Schwartz führte Matthias M. Ester vom Geschichtskontor Münster, der viele Hintergrundinformationen beisteuerte und mit Karten und Fotos Schwartz’ „Odyssee quer durch Europa“ veranschaulichte. So wurde für die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie Leslie Schwartz, auf 34 kg abgemagert, mit anderen KZ-Insassen von seinen SS-Bewachern in einen Todeszug nach Westen gesetzt wurde, um die Verbrechen der Nazis zu verschleiern. Auch diese Aktion überlebte er trotz Kopfschuss und anschließender Erkrankung an Typhus. Doch neben der Grausamkeit und Unmenschlichkeit hat er auch echte Freundschaft und spontane Hilfsbereitschaft erlebt, so von einer Bäuerin in Bayern, die ihn mit Brot und Milch versorgte – zu der er bis zu ihrem Tode Kontakt hatte. Die Schülerinnen und Schüler hörten betroffen zu und stellten am Schluss interessierte Fragen, z. B. wie er erfahren habe, dass und wie seine Mutter und Schwester umgekommen sind oder wie er nach seiner Befreiung von den Deutschen aufgenommen wurde. Seine Betroffenheit darüber, damals vielen Menschen begegnet zu sein, die allein Hitler für die Verbrechen der Nazizeit verantwortlich gemacht hätten, ist noch heute spürbar.

Love is stronger than hate

Als Berichterstatter hat Leslie Schwartz, der heute teilweise in Münster und teilweise in New York lebt, eine neue Mission gefunden. 104 Mal schon hat er an deutschen Schulen über seinen persönlichen Holocaust gesprochen.
Als sich eine Schülerin nach dem Grund dafür erkundigte, warum er vor Schülern spreche, erklärte er, er sei „der dreckige Jude, der Schweinejude“ gewesen und habe heute durch das Erinnern seine Identität wieder bekommen: „I’m a person again!“ Und er appellierte an ein menschliches Miteinander und setzte sich für Toleranz ein. „We are all children of God: Jews, Muslims and Christians.“ Mit seinem Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz traf er den Nerv der Schülerinnen und Schüler, die ihn nach der Veranstaltung umringten, um sich persönlich bei ihm zu bedanken, ihm weitere Fragen zu stellen, in sein fast volles Erinnerungsbuch zu schreiben oder in seinem Buch zu blättern.

Als Widmung gab er ihnen in einem Buch für die Schülerbücherei mit auf den Weg: „Love is stronger than hate. Shalom“.

  • Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau (Leseprobe)

 

Die Veranstaltung ist durch den Förderverein unserer Schule bezuschusst worden.

 

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