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Acht Frauen

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© Joachim Holling

Kriminalkomödie von Robert Thomas

Acht Frauen sitzen in einem eingeschneiten Landhaus. Acht Frauen, ein Mord. Irgendjemand hat den Hausherrn getötet. Der einzige Mann weit und breit liegt mit einem Messer erstochen im Bett. Das Telefon funktioniert nicht. Die Kabel des Autos sind durchschnitten. Acht Frauen. Alle sind neugierig, vielleicht sogar boshaft. Vielleicht sogar Schicksalsgenossinnen. In ihren Augen dämmert es langsam, dass keine von ihnen ein Alibi hat. Jede von ihnen könnte es gewesen sein. Ob Ehefrau, ältere oder jüngere Tochter, ob Schwester, Schwiegermutter, Schwägerin, Köchin oder Dienstmädchen, jede wird Zeugin und Zuhörerin: Alles kommt zur Sprache, seitdem der Hausherr nicht mehr da ist. Und doch geht es in der Kriminalkomödie von Robert Thomas um mehr als nur um die Aufklärung eines Mordes. Denn Thomas zeichnet auf entlarvende Weise das Bild einer bürgerlichen Familie im Frankreich der 50er Jahre. Acht Frauen. Abgründe tun sich auf, wenn die Masken fallen.

Das Mariengymnasium hatte zu zwei Vorstellungen mit jeweils unterschiedlichen Darstellerinnen eingeladen. Die „ersten acht Frauen“ spielten am Donnerstag, den 16. Juni, die „zweiten acht Frauen“ am darauf folgenden Tag, Freitag, 17. Juni. Die künstlerische Leitung hatte Herr Holling.

Acht Verdächtige am Mariengymnasium

Rezension von Sarin Aschrafi

Es beginnt alles so beschaulich an einem französischen Ort im Frankreich der 50er Jahre: Suzanne (Clara Tyszka/Julia Pielemeier), die ältere Tochter von Gaby (Camilla da Silva/Rica Bruckmann) und dem Fabrikanten Marcel, kommt über die Weihnachtstage aus England zu Besuch, um ihre Familie auf dem Landsitz zu besuchen. So trifft sie auf ihre Schwester Catherine (Nina Kempkes/Carola Hamphoff), ihre Tante Augustine (Leia Esche) und ihre Großmutter, genannt Mamy (Moritz Höne/Lennart Kortenjann). Auch das Wiedersehen mit Madame Chanel (Ronja Thier/Franziska Baumhöfer), der langjährigen Hausangestellten ist groß. Lediglich ihr Vater Marcel lässt auf sich warten. Als das neue Hausmädchen Louise (Ilona Funk/Charlotte Hirnstein) ihn ermordet in seinem Zimmer findet, entfährt ihr vor Entsetzen ein gellender Schrei, der die weihnachtliche Idylle jäh entzwei reißt.

Wer ist der Mörder?

Catherine schließt geistesgegenwärtig das Zimmer des Ermordeten ab und will die Polizei rufen, doch das Telefonkabel wurde durchschnitten. Auch das Auto der Familie wurde mutwillig manipuliert und das Gittertor des Anwesens ist versperrt. Merkwürdigerweise wurde jedoch die Schwester Marcels, Pierrette (Theresa Matz/Jana Tenbrock), noch am frühen Morgen mit der Nachricht vom Tod ihres Bruders konfrontiert und erscheint kurze Zeit nach der Entdeckung des Toten im Haus.
Schnell ist den Frauen klar: Der Mörder ist noch unter ihnen, womöglich ist es sogar eine von ihnen selbst, denn hätten nicht die Hunde gebellt, wenn ein Fremder ins Haus einzudringen versucht hätte? Diesen Mörder – oder doch diese Mörderin? – gilt es zu finden.

Ein Katz-und-Maus-Spiel

In den folgenden Stunden vollzieht sich unter den Frauen, die unter einer scheinbar heilen Oberfläche alle ein besonderes Verhältnis zu Marcel hatten, ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem jede verdächtigt und zugleich unter Verdacht gerät. Unangenehme Geheimnisse wie die Spielsucht von Madame Chanel und Pierrette, die unerwiderte Liebe Augustines zu Marcel und die Affäre seiner Ehefrau Gaby, weswegen sie ihn verlassen wollte, werden gnadenlos vor den Anderen ans Licht gebracht. Auch Louise, die eine Affäre mit dem Hausherr selbst hatte und die vermeintlich tadellose Tochter Suzanne, die ein uneheliches Kind erwartet, bleiben von den Verdächtigungen nicht verschont. Und warum sollte nicht auch Mamy ein Motiv haben, wo sie doch mit aller Gewalt ihre Aktien vor den Anderen versteckt?

Die schauspielernden Schülerinnen und Schüler stellen durch eine grandios einstudierte Inszenierung aus Blicken, Gesten und pointiert dargebrachten Dialogen ein Beziehungsgeflecht dar, dessen unterschwellige Feindseligkeit immer mehr an die Oberfläche drängt. Requisiten wie der Schlüssel zum Zimmer des Toten, ein Liebesbrief an Marcel oder der plötzlich wiedergefundene Revolver treiben die Animositäten der Frauen an die Grenze der Eskalation und so kommt es schließlich sogar zu tätlichen Angriffen. Seinen Höhepunkt erreicht das Stück, als auf Madame Chanel durch das Fenster geschossen wird – und das kurz nachdem sie behauptet hat, sie wisse nun um den letzten entsetzlichen Beweis für das Geschehen. Die eine letzte Wahrheit, die die unverdächtig gebliebene Catherine schließlich den Anderen überbringt, ist aber dann diese, die tatsächlich einen Mord nach sich zieht.

 

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